Diakonische Verbände auf Facebook

Vor zwei Monten hat Alexander Ebel von der Pfälzischen Landeskirche einen interessanten Beitrag über Evangelische Landeskirchen auf Facebook geschrieben. Somerpausenbedingt habe ich den etwas später zur Kenntnis genommen, mich dann aber gleich gefragt, wie dies wohl bei den Diakonie-Landesverbänden aussieht. Hier nun meine Recherche-Ergebnisse…

Sieben Landesverbände haben eine Facebook-Präsenz:

Und dann natürlich der Bundesverband:

Der erste Eindruck: Gute Facebook-Auftritte gibt es im Süden (Baden, Bayern und Württemberg) und beim Diakonischen Werk der EKBO. Auch der Bundesverband hat eine solide Facebook-Präsenz.

Bei den Titelbildern zeigt sich wieder, dass “diakonische” Symbolfotos eine schwierige Sache sind. Und bei den Profilbildern gibt es bei manchen Facebook-Auftritten nur ein Kronenkreuz. Besser wäre es, wenn ich am Profilbild sofort erkennen kann, welcher Verband es ist.

Bei keinem der Landesverbände kann ich erkennen, wer dort eigentlich postet. Wahrscheinlich ist es die Öffentlichkeitsabteilung. Es gibt aber kein Team, keine Namen, nix in dieser Hinsicht. Schade. Einzige Ausnahme: der Diakonie-Bundesverband. Und bei den Landeskirchen ist das zumindest bei der rheinischen und der pfälzischen der Fall.

Eine (klitze)kleine, aber feine Sache: Die Diakonie Baden nutzt die Möglichkeit der “Meilensteine”. Da steht zwar noch sehr wenig, aber die Idee ist gut.

Nach diesen Details nun zum Wichtigsten: Es fällt auf, dass sehr wenig geliket, noch weniger kommentiert und fast gar nichts geteilt wird. Dafür dass die Diakonie zu den bedeutendensten gesellschaftlichen/gesellschaftspolitischen Akteure zählt, ist das ziemlich mau. Dies bestätigt wieder einmal meine These, dass es keine wirkliche “diakonische Community” gibt (das hatte ich bereits beim Thema Bloggen erwähnt).

Der Diakonie Bundesverband hatte ja Anfang des Jahres eine Online-Diskussion gestartet. Die Beiträge hatten inhaltlich Substanz, und es wurde dort auch nicht rumgetrollt – also wirklich ein guter Anfang! Allerdings: Die Gesamtzahl der Diskutanten war nicht sehr hoch, dafür der Anteil der “beruflichen” Diskussionsteilnehmer unter ihnen (also Funktionäre im weitesten Sinne). Auch hier auf dem Blog wird nicht so viel diskutiert – ich bekomme mehr private Mails und Anrufe (!) und dabei bin ich über die Besucherzahlen keineswegs unzufrieden.

Also: eine richtige Debattierlust scheint es nicht zu geben.

Eigentlich stellen die Mitarbeitenden in der Diakonie doch schon mal eine große Masse, sozusagen eine riesige Homebase, dar. Ich habe aber grundsätzlich den Eindruck, dass es bei vielen Mitarbeitenden keine große Lust gibt, sich über das Ausmaß der beruflichen Tätigkeit “diakonisch” zu engagieren. Ich kann es ihnen nicht verdenken – eine Image- und Commitment-Katastrophe ist das allerdings schon. Für mich ist die Zukuftsaufgabe der Diakonie daher, eine Art diakonisches Community-Buildung zu forcieren, die eigene Szene aufzubauen und zu pflegen. Genau hier mus die Energie hin – und nicht in diese unerträglichen Dienstgemeinschaftsüberbaudiskurse.

Es ist wirklich schade, welche Chancen da auch die Mitarbeitenden und diakonisch Engagierten vergeben, Diakoniepolitisches kritisch zu kommentieren. Das bedeutet aber auch, dass ein PR-Desaster wie bei KitKat kein diakonischer Verband zu befürchten hat.

Man könnte aber auch noch ganz anders fragen, nämlich: Ist Diakonie überhaupt ein Thema? Ist “Diakonie” nicht viel zu breit – und daher thematisch diffus? Der eine interessiert sich für Obachloseninitiativen in Hessen, der nächste für ein Kinderhospiz und wieder ein anderer für die Diakonie-Katastrophenhilfe. Das kann man alles unter einer “diakonischen” Klammer zusammenbinden – muss man aber nicht. Wo suchen diese Menschen im Internet (und auf Facebook) nach entsprechenden Diskussionen und Informationen? Unter der “Dachmarke Diakonie”?

Sicherlich (auch) aus diesem Grund gibt es mehrere eigene Facebook-Seiten der Diakonie-Landesverbände zum Freiwilligen Sozialen Jahr bzw. zum Bufdi. Auch hier einmal schnell die Übersicht:

Dass es diese Seiten gibt, ist gut. Dass es bei einigen Verbänden nur diese Auftritte gibt, könnte darauf schließen lassen, dass die Meinung vorherrscht, dass Facebook “halt etwas für junge Leute ist…”!?

Abschließend einige Fragen zum Weiterdenken:

  • Was ist das Ziel solcher Facebook-Seiten? Das Absetzen von Pressemeldungen oder das Anstoßen von Debatten? Beides hat seinen Wert – wenn es aber um Diskurse geht, könnte man vielleicht darüber nachdenken, die Auftritte der Landeskirchen zu stärken und diakonisch zu bespielen? Denn momentan läuft da – zumindest von der Masse her – mehr.
  • Während mich als kirchlicher Mitarbeiter die protestantische Vielfalt (nicht die inhaltliche Vielfalt, sondern die Doppel-, Dreifach-, Neben- und Durcheinanderstrukturen) manchmal fast an den Rande des Wahnsinns treibt, sehe ich dies bei den Möglichkeiten, die social media bietet, genau anders: Hier liebe ich Vielfalt, die sich untereinander verknüpft und vernetzt, Bezug aufeinander nimmt und sich voneinander abgrenzt, sich hoch- und runterschaukelt. Auch kleine Klitschen können großartige social media-Dinger hochziehen (vielleicht gerade?). Allerdings sollte man sich hier den Hinweis von Ralf Peter Reimann von der Internetarbeit der rheinischen Kirche zu Herzen nehmen: Wir sind nur Gast auf Facebook!
  • Eine weitere Frage: Welchen Sinn macht es (und wie kann es gelingen), stärker zu personalisieren? Viele Stellungsnahmen im diakonischen/kirchlichen/sozialen/politischen Bereich sind Konsensformulierungen bzw. diplomatischen Gepflogenheiten geschuldet (was auch okay ist). Debatten brauchen aber Personen, die diese Debatten führen. Hier bin ich noch etwas ratlos, wie das gelingen kann…
  • Den mittel- bis langfristigen Aufbau einer diakonisch interessierten und engagierten Community (nicht nur der Mitarbeitenden, aber eben auch) habe ich ja bereits erwähnt.
  • Und schließlich muss dringend darüber nachgedacht werden, wie “Betroffene” bzw. “Klienten” (ja, blöde Begriffe…) in die Diskurse reinkommen. Die Caritas hatte da mal einen guten Vorstoß gemacht (hauptsächlich aufs Bloggen bezogen), hier muss man weiter dran arbeiten.
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8 Kommentare zu “Diakonische Verbände auf Facebook”

  1. Danke für die Zusammenstellung. Ich gebe Dir Recht, das noch Nachholbedarf da ist. Allerdings macht es auch Sinn, sich die klassischen Werke und Stiftungen unter dem Dach der Diakonie anzuschauen. Denn auch hier gibt es von „richtig gut“ bis peinlich die komplette Bandbreite.
    Viele Grüße,

    Maik

    1. Ja, auf jedenfall auch ein nützliches Unterfangen! Darüber hatte ich auch (kurz) nachgedacht, aber solch eine Recherche übersteigt momentan meine zeitlichen Ressourcen ;-) Ich habe mich schlicht und einfach auf die Landesverbände (plus Bundesveband) beschränkt. Das lag auch an dem „Ursprungsartikel“ von Alexander Ebel. Ich habe dann schnell gemerkt, dass „Kirche“ und „Diakonie“ nicht analog abzuarbeiten sind, bin aber trotzdem bei dem Ansatz mit den Landesverbänden geblieben.

      Auch die Fachverbände wären interessant (und vom Aufwand noch überschaubar). Und das Dritte wären dann die von dir völlig zu recht genannten Einrichtungen/Unternehmen/Stiftungen – zumal sie ja auch den „Kern“ der Diakonie darstellen. Man könnte dafür die VdDD-Mitgliederliste (http://www.v3d.de/Mitgliederliste.96.0.html) als Grundlage nehmen. Denn das ist meines Wissens die einzige Liste diakonischer Organisationen, die frei zugänglich ist. Aber ich vermute, dass Fundraiser eh solche Mitbewerberanalysen anstellen, oder? ;-) Gruß nach Dear Old Ostwestfalen!

      1. Naja, zunächst war’s ja mal ein privater Kommentar. Aber wenn Du schon so verschmitzt auf meinen Arbeitgeber anspielst: Ich habe tatsächlich vor, die Werke und Stiftungen mal anzuschauen und in unserem Blog aufzuarbeiten. Zumindest die Facebook-Welt ist nämlich tatsächlich überschaubar, wenn man von Fansites und nicht von Gruppen ausgeht. Hab heute schon mal angefangen, dauert aber noch ein paar Tage, denn auch ich kann nicht den ganzen Tag an einem Artikel sitzen ;-). Und auch ja, natürlich gibt’s Mitbewerberanalysen und -beobachtungen ;-). Sitze übrigens nicht (mehr) in Dear Old Ostwestfalen sondern in Hometown Ruhrgebiet!

        Beste Grüße zurück und gute Nacht,
        Maik

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