mit-für

Ein gängiges Motiv in der Debatte ums diakonische Selbstverständnis ist die so genannte Option für die Armen. „Diese Beschreibung der Ausrichtung diakonischen Engagements gilt heute schon fast als ein Muss, wenn man politically correct von Diakonie reden will“, so kommentieren es Heinz Rüegger und Christoph Sigrist in ihrer klugen wie streitbaren Einführung in die Diakonie (Zürich 2011, S. 175).

In dem Papier Perspektiven der Diakonie im gesellschaftlichen Wandel, der derzeit aktuellsten Veröffentlichung der Diakonie zu ihrem Selbstverständnis, erhält das befreiungstheologische Motiv der Option für die Armen dann auch eine herausgehobene Stellung. Es wird zwar nicht grundlegend reflektiert, aber es ist das theologische Motiv, das für die Darstellung des diakonischen Selbstverständnisses am häufigsten bemüht wird, nämlich gleich achtmal (S. 15, 24, 64, 86, 86, 87, 122, 122).

Die Formulierung „Option für die Armen“ stößt aber auch immer wieder auf Kritik (die nebenbei bemerkt ebenso zur political correctness der Diakonie gehört): Es ist die Kritik an dem Wörtchen „für“. Denn diese Formulierung scheint genau das noch einmal zu betonen, von dem man sich eigentlich lösen will: die Für-Struktur diakonischen Handelns, die Für-Sorge. Die Mit-Struktur, das Mit- statt Füreinander wird immer stärker gefordert und ist ja auch vielfach konzeptionelle Grundlage diakonischen Handelns.

Allen Liebhabern der Formulierung „Option für die Armen“ wird daher sicherlich der folgende Hinweis gefallen, dass im Spanischen – sozusagen im befreiungstheologischen Urtext – das Wörtchen „por“ eigentlich „mit-für“ heißt:

„Die „opción por los pobres“ weist auf einen wichtigen Gesichtspunkt hin, den die deutsche Übersetzung „Option für die Armen“ nicht einzufangen vermag: Das spanische Wort „por“ heißt nicht nur „für“, sondern vielmehr „mit-für“. Diese Bedeutungsnuance schließt die Überzeugung ein, dass eine Option , die für die Armen ausgesprochen wird, nur zusammen mit den Armen möglich ist (…)“ (Stefanie Kainzbauer, Caritative Befähigungspraxis, Münster 2011, S. 19).

Das war mir neu und ich finde es bemerkenswert.

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