Offene Fragen

In der Diakonie soll über die künftige Ausrichtung diskutiert werden – und das auf möglichst breiter Basis. Das ist eine gute Sache. Wichtig ist dabei, die richtigen Fragen zu stellen. Es gibt derer eine Menge, eine Sammlung eben solcher möchte ich an dieser Stelle (wieder) hervor holen.

Die Diakonie-Denkschrift Herz und Mund und Tat und Leben (1998) schließt mit einer Liste ungeklärter Fragen, die für die „Erneuerung der Diakonie“ von großer Bedeutung sind (Ziffer 150). Es sind Fragen nach dem Verhältnis von Kirche und Diakonie, nach der christlichen Identität der Diakonie und ihrer unternehmerischen und sozialstaatlichen Ausrichtung. Es sind insgesamt zehn Fragen und ich zitiere jeweils den ersten Satz:

  1. Wie können das Miteinander der verfaßten Kirche und ihrer Diakonie und die gegenseitige Unterstützung vertieft werden?
  2. Wie können die Chancen zu wirklich eigenständigen christlichen Angeboten und zu einem spezifisch christlichen Charakter der Arbeit genutzt werden?
  3. Wie weit können Doppelstrukturen zwischen der verfaßten Kirche und ihrer Diakonie abgebaut werden?
  4. Wie kann Diakonie Teil der „inneren Mission“ sein?
  5. Wie kann sich Diakonie in einer Zeit leerer öffentlicher Kassen und finanzieller Probleme der Kirche neue Mittel erschließen?
  6. Wie weit muß, wie weit kann Diakonie Teil des sozialstaatlichen Systems sein?
  7. Wie weit kann und wie weit muß die Diakonie privatwirtschaftliche Arbeitsformen übernehmen und zu einer unternehmerisch geführten Diakonie werden?
  8. Auf welche Aufgaben im Blick auf die Zukunft des Zivildienstes und eines freiwilligen sozialen Jahres müssen sich die Kirche und ihre Diakonie einstellen?
  9. Wie können diakonische Einrichtungen ihre christliche Identität wahren, bei denen weniger als zwei Drittel der Mitarbeiter der Kirche angehören?
  10. Braucht die Kirche eine Ordnung des Diakonats?

Das sind Fragen aus dem Jahr 1998. Und man kann sich fragen, was eigentlich in der Denkschrift stehen mag, wenn all dies nicht Gegenstand der Denkschrift selbst ist, sondern nur der Ausblick auf die noch zu klärenden Fragen… Aber es sind gute Fragen, immerhin und immer noch.

Warum ist man bei diesen Fragen nicht weiter? Irgendwie tritt man auf der Stelle, so scheint es. Aber vielleicht kommt neuer Drive in die Debatten, denn zur Zeit wird in der organisierten Diakonie heiß diskutiert, ob man nicht bestimmte Einrichtungen aus der Diakonie rauswerfen sollte. Denn manche Einrichtungen mögen zwar formalrechtlich zur Diakonie gehören, aber sind irgendwie doch nicht so recht diakonisch. Und andersrum wird innerhalb einiger Unternehmen darüber nachgedacht, ob man nicht selbst aus der Diakonie austritt. Man kann ja auch diakonisch sein, ohne Mitglied der Diakonie zu sein. Das verspricht spannende Diskurse, die vielleicht dazu führen, noch einmal intensiv darüber nachzudenken, was Diakonie ist bzw. was diakonisch sein bedeutet.

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