Anfassbare Alltagsspiritualität

Immer zur Adventszeit wird gerne darauf hingewiesen, dass der Adventskranz eine Erfindung der Diakonie ist (zum Beispiel hier oder hier), genauer gesagt der Inneren Mission, noch genauer: eine Erfindung von Johann Hinrich Wichern (und ganz genau: wahrscheinlich wurde der Adventskranz in Dänemark erfunden, einer der Wichernschen Brüder hat ihn wohl von dort importiert).

Wichern verfügte über eine gutes Maß an Genialität, was Ritualisierung und Inszenierung angeht. Und dem Adventskranz – ob er ihn nun ge- oder erfunden hat – hat er zu einer unglaublichen Wirkungsgeschichte verholfen. Was ich daran mag: Es ist etwas Handfestes und hat Alltagsrelevanz. Etwas euphemistisch könnte man sagen: Glaube zum Anfassen. Und gerade das ist nicht gering zu schätzen. Denn das, was den Protestantismus in besonderem Maße ausmacht, ist eben kaum anfassbar: Predigt und Kirchenmusik. Beides von (hoffentlich) hohem Niveau, aber eben auch von hoher Flüchtigkeit. Und daher ist ein Adventskranz nicht bloß ein Trockengesteck, sondern ein Stück greifbare Alltagsspiritualität.

Hierüber musste ich nachdenken, als ich dieses Jahr wieder die ganzen Meldungen im Netz las, dass der Adventskranz eine Erfindung der Diakonie ist. Und ich frage mich, was es noch in dieser Liga gibt. Mir ist leider kaum etwas eingefallen. Damit war ich allerdings nicht allein, denn eine (sehr) kleine Umfrage in meiner näheren Umgebung hat meine Ausbeute nicht erhöht.

Ich komme auf drei „Dinge“, die einen spirituellen Alltags-Griff haben: der Wichernsche Adventskranz (1839), die Losungsheftchen der Herrnhuter (1731) und die Perlen des Glaubens (1996) von Martin Lönnebo. Immerhin. Aber etwas mehr haptische Qualität täte dem Protestantismus sicherlich ganz gut.

P.S.: Ich lasse mich sehr gern eines Besseren belehren, falls ich da doch Einiges vergesssen haben sollte. Mir geht es um Folgendes: Etwas aus dem Bereich Alltagsspiritualität mit „Ding“-Charakter, entstanden im protestantischen Raum und mit einer gewissen Wirkungsgeschichte.

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2 Kommentare zu “Anfassbare Alltagsspiritualität”

  1. Hm. Zählen denn die Dinge nicht, die ursprünglich aus dem Katholizismus stammen? Festhaltekreuze oder Sterbekreuze beispielsweise?

  2. Die kann man natürlich auch mitzählen, klar. Ich bin halt auf die Idee über den Adventskranz gekommen, der als typisch protestantisch gilt – und habe mich dann gefragt, was es da noch so gibt. Gerade weil das im evangelischen Bereich ja eher untypisch ist. Ich hatte auch übrlegt, ob ich den Bronzeengel von „Andere Zeiten“ mit aufnehme, mittlerweile über 1 Million mal verkauft (http://www.anderezeiten.de/unsere-aktionen/der-engel/in-gottes-namen-unterwegs). Festhaltekreuze von der Abtei Königsmünster: http://klosterladen-meschede.orderonline.de/ >> Schmiede >> Kreuze

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