Inklusion vor Ort

Frisch aus der Druckerpresse und quietschgelb: der Kommunale Index für Inklusion, erschienen im Verlag des Deutschen Vereins, herausgegeben von der Montag Stiftung.

InklusionVorOrt„Das vorliegende Handbuch will vor allem eins: möglichst viele Menschen für das Thema Inklusion gewinnen. Es ist ein Praxisbuch, das viele Anregungen gibt, wie man sich aktiv an Inklusion beteiligen kann. Im Mittelpunkt des Buches stehen keine Antworten, sondern Fragen: Der eigentliche Index für Inklusion ist ein Fragenkatalog, d.h. eine Sammlung von Fragen, mit denen man unterschiedliche Themen rund um das große Thema Inklusion bearbeiten kann – alleine oder im Gespräch mit anderen.“ (S. 21)

Vorlage ist ein 2002 in Suffolk (UK) erschienener Inklusions-Index für die kommunale Ebene (Vincent McDonald/Debbie Olley: Aspiring to inclusion. A handbook for councils and other organisations, County Council, Suffolk), der wiederum zurückgeht auf den mittlerweile wohl recht bekannten Index for Inclusion für Schulen von Mel Ainscow und Tony Booth (2003 ins Deutsche übertragen von Ines Boban und Andreas Hinz; mittlerweile in etlichen Sprachen erhältlich).

Inklusion kann an verschiedenen Stellen ansätzen: beim Einzelnen, der mit anderen Menschen in seinem Umfeld in Beziehung tritt, bei den Mitarbeitern von Organisationen vor Ort und schließlich auch bei den Organisationen und Institutionen selbst. Dementsprechend gliedert sich der Index in drei Abschnitte:

  • Unsere Kommune als Wohn- und Lebensort
  • Inklusive Entwicklung unserer Organisation
  • Kooperation und Vernetzung in unserer Kommune

Insgesamt gibt es 40 Einzelthemen, die diesen drei Rubriken zugeordnet sind, für jedes Thema bietet der Index ein Dutzend Fragen. Je nach Situation und Kontext passen natürlich nicht sämtliche Fragen, aber sie bieten eine Fülle an Anregungen, die jeweiligen Themenbreiche auf inklusive Werte, Strukturen und Entwicklungsmöglichkeiten abzuklopfen. Die Gestaltung ist ausgesprochen angenehm, luftige Doppelseiten pro Thema (gut als Kopiervorlagen geeignet), der eigentliche Index ist gelb markiert, im Anhang gibt es noch eine sinnvolle Auswahl an (Moderations-)Methoden.

Die Fragen decken themantisch eine sehr breite Pallette ab. An der einen oder anderen Stelle habe ich dann auch den Eindruck, dass irgendwie alles, was „gut“ ist, Inklusion ist, und alles, was Inklusion ist, gut ist. Aber das geht mir bei diesem Thema häufig so. Dahinter verbirgt sich natürlich auch ein gewisses Problem. Denn sicherlich wird jeder dem Grundgedanken der Inklusion erst einmal zustimmen können. Aber so manche exkludierenden Strukturen sind ja nicht zufällig so, wie sie sind, sondern durchaus gewollt – und können daher auch nicht einfach durch wahrnehmungserweiternde oder kreativitätsfördernde Moderationsprozesse überwunden werden. Inklusion ist hoch politisch. Und so kommt es natürlich sehr darauf an, was man mit dem Index macht. Ich glaube, dass der Index vor allem dann seine volle Wirkung entfalten kann, wenn er als Grundlage für aktivierende Befragungen genutzt wird.

Eines ist er aber ganz sicher: eine lohnende Anschaffung.

UPDATE 2013-10-10: Die Online-Zeitschrift „Inklusion-online.net“ hat eine Schwerpunktausgabe zum Index für Inklusion herausgegeben.

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