Klagen!

In der Diakonie wird viel und gern geklagt. Ge- und beklagt, nicht verklagt (und bitte nicht verwechseln mit Jammern!). Klagen hat für die Diakonie aber auch aus theologischer Sicht eine ganz besondere Bedeutung: Es dient dem Öffentlichmachen und Verbalisieren von Not. Klagen ist daher ein wichtiges, gar existenzielles Mittel im Umgang mit der Not. Wirft man einen Blick in die Bibel, stellt man fest, dass ein Drittel der Psalmen Klagepsalmen sind.

Schon vor einiger Zeit bin ich die Idee des Klage-Chors gestoßen. Eine wundervolles Projekt: Menschen klagen gerne, Menschen singen gerne – warum nicht beides zur selben Zeit? Begonnen hat die Idee des Complaints Choir in Finnland, mittlerweile gibt/gab es gut zwei Dutzend Klagechöre weltweit. Hier ein Video des Birminghamer Klagechors und hier ein kurzer Werbetrailer für das Projekt in Chicago.

Das wäre doch mal ein schöne Idee für die Diakonie…! Die Complaints-Choir-Bewegung betont zwar, dass sie sich nicht als politische Protestform versteht:

„Complaints Choirs are not intended as protest choirs or an agit-prop revival. The political complaint is only representing a small margin of the wonderful world of complaints. Why should such important issues as broken underpants, boring dreams or spying neighbors be excluded? On the other hand the private, the personal, can be very political at the same time.“

Okay, das läuft jetzt etwas meinem Wunsch nach einer stärkeren Politisierung diakonischer Arbeit zuwider, aber man merkt an diesen Zeilen, mit welch feiner Ironie die Klage-Idee aufgegriffen und umgesetzt wird.

Und um wieder zum Ernst des Klagens zurückzukommen, hier noch zwei weiterführende Literaturhinweise bezüglich der theologischen Dimension des Klagens:

Klage im Alten Testament: Frank Crüsemann: Das Alte Testament als Grundlage der Diakonie, Studienbuch Diakonik, Band 1, Neukirchen-Vluyn 2006, 58-87.

Dorothee Sölle beschreibt drei Phasen des Leidens, die Mittelstellung nimmt dabei das Klagen ein. Eine gute Übersicht findet sich hier: Dorothee Sölle: Leiden, Stuttgart/Zürich 2003.

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