Den Vorhof bespielen

Das ist doch mal eine schöne Idee: Eine Kirchengemeinde legt einen Boule-Platz an: als kommunikativen, konsumfreien und – auch wenn es vielleicht zunächst merkwürdig klingt – durch und durch diakonischen Ort.

„Boule ist zutiefst demokratisch. Das Spiel akzeptiert jeden Spieler wie er ist und nimmt jeden, ob Anfänger oder Profi, gleichermaßen gefangen. […] Das Boulespiel setzt keine Vorkenntnisse oder andere Anforderungen voraus. Es macht auch nicht Halt vor bestimmten sozialen Schichten. […] Boule ist ein Spiel derer, die innehalten, die durchatmen und sich Zeit nehmen. Boule hat nichts mit Leistungsdruck zu tun, hier muss man keine Muskeln stählen, keinen Kreislauf trainieren, keine Diäten durchziehen, um Anerkennung zu finden. Und so wurde das Boulespiel, wie wir es heute kennen, auch von einem rheumakranken, gehbehinderten Südfranzosen erfunden (Christian Kempe: Der große Wurf, in: Meurer/Otten/Becker: Ort Macht Heil, S. 265-267, 265-266).

Ich vertrete nun keineswegs die Meinung, dass die Aufgabe von Kirche darin besteht, freizeitsportliche Angebote zu unterhalten (mir würde nicht im Traum einfallen, dass eine Kirchengemeinde eine Bowlingbahn betreiben sollte!). Es geht um etwas anderes.

Ein Boule-Platz „bespielt“ quasi den „Vorhof“ einer Kirche, wenn er entsprechend angelegt ist. Und er ist eine schöne Ergänzung zu einem gemeinwesendiakonischen Stadtteiltreff. Hier und da könnte er sogar eine Alternative darstellen, denn in einem Stadtteiltreff, Kirchenladen oder Kirchencafé kann man sich nur zu den vorgesehenen Öffnungszeite treffen.

Entdeckt habe ich diese Idee in dem Buch Ort Macht Heil (das übrigens eine Fülle ähnlicher Anregungen bietet. Kaufen!). Darin beschreibt Christian Kempe die Idee hinter der Boule-Anlage in Köln Höhenberg-Vingst (HöVi). Dort ist der Boule-Platz aus einer gemeinsamen Aktion mehrere Stadtteilgruppen entstanden. Ich finde, dass diese Idee aber grundsätzlich ins Wir-gestalten-und-eröffnen-Räume-Repertoire von Kirchengemeinde und  Gemeinwesendiakonie gehören sollte.

Ach ja: Und Boule ist der einzige Sport, den man auch mit einem Glas Rotwein in der Hand bestreiten kann!

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