Alternativen zur Spendenbüchse

Um soziale/diakonische Arbeit zu ermöglichen, braucht es Geld. Und hier kann man wohl zwei Ansätze unterscheiden, um an eben dieses Geld zu kommen: Der klassische Weg sucht nach einer Refinanzierung durch (öffentliche) Kostenträger, der andere ist das Fundraising. Ersteres baut auf politischer Willensbildung auf, zweiteres vor allem auf geschickte Techniken des Geldeinwerbens.

Ich bin nun kein Fundraising-Experte, aber ich finde die Entwicklungen beachtenswert, die sich hinter dem Stichwort Crowdfunding (oder auch social lending) verbergen: Viele Kleinbeträge ermöglichen zusammen die Umsetzung eines Projekts, für das es keine Refiannzierung gibt. Gesammelt wird mittels Web 2.0, also ohne eine Mittlerorganisation wie Stiftung, Bank oder Wohlfahrtsorganisation. Man wendet sich dirket an die Masse (an die Crowd im Netz). Dies führt zu ganz neuen Möglichkeiten. Die zwei wichtigsten:

  • Jeder, der eine gute Idee hat (samt einem Bündel an Lust und Engagement) kann aktiv werden und versuchen, sein Projekt umzusetzen. Das kann ganz neue Energien frei setzen. Man muss sich dann nicht mehr auf die Suche nach einer Freiwilligenorganisation machen und seine Engagementwilligkeit wie sauer Bier anbieten, sondern man gründet halt selbst eine Initiative.
  • Vordergründig sammelt man natürlich erst einmal Geld, aber man bekommt auch noch Menschen dazu. Nämlich die, die das Geld geben, denn sie interessieren sich für das Projekt. Die „Geber“ und „Macher“ stehen in viel engerer Beziehung zueinander als bei klassischen Spendenprojekten – zumindest wenn dies die Geber wollen, anonym geht natürlich auch.

Beide Aspekte sind für diakonische Arbeit äußerst spannend.

Die wohl größte Plattform für Crowdfunding im sozialen Bereich ist in Deutschland betterplace.org. Jedes Projekt auf betterplace.org definiert seine Bedarfe – das sind Geldspenden, Sachspenden und Mitarbeit.

Crowdfunding gibt es natürlich nicht nur im sozialen/gesellschaftspolitischen Bereich, sondern vor allem bei künstlerischen und kulturellen Projekten – dort hat es auch seinen Ursprung. Es kann aber für jede beliebige Idee genutzt werden, so zum Beispiel auf mysherpas.com. Leander Wattig hat in seinem Blog die wohl umfangreichste Liste von Crowdfunding-Marktplätzen zusammengesetllt. Und wer Crowdfunding für Privatkredite (Peer-to-Peer-Kredite) nutzen will, wird zum Beispiel bei smava fündig. Ob dies dann auch gleich auf unser gesamtes Banken-System Auswirkungen hat, bleibt abzuwarten. Aber zumindest kann man wohl sagen: „Die Peanuts-Revolution hat begonnen!“ 

UPDATE 2011-09-04: Als weiterer Einstieg in das Thema hier noch ein Artikel aus dem Enter-Magazin.

UPDATE 2011-12-12: Keine Bezüge zur Sozialwirtschaft, aber ein interessanter Artikel: Mit dem Geld der Vielen, auf jetzt.de

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