Mahlzeit!

Es gibt immer wieder gute Projekte, bei denen man gar nicht so genau sagen kann, ob es sich um „kirchliche“ oder „diakonische“ Ansätze handelt (wobei natürlich diese Unterscheidung selbst schon fraglich ist). Zum Beispiel Ansätze, die an die Wurzeln urchristlicher Mahltraditionen anschließen und gleichzeitig „seelsorgerliche, diakonische und liturgische Dimensionen“ eröffnen (S. 2).

Es geht also ums Essen. Die Zeitschrift Für den Gottesdienst beschreibt drei solcher Projekte.Und da diese Zeitschrift im Bereich der Diakonie wohl eher weniger gelesen wird, möchte ich hier auf diese Mahl-Ausgabe hinweisen. Drei Mahlprojekte werden vorgestellt – eine Mittagstafel, eine Vesperkirche und ein Tischabendmahl –, die in unterschiedlicher Weise das gemeinsame Essen im Kirchenraum in den Mittelpunkt stellen. Es handelt sich um folgende Projekte:

  • die monatliche Mittagstafel „Leib und Seele“, Hannover Gethsemanekirche (S. 26-31),
  • die Vesperkirche in Wasseralfingen (Württemberg) (S. 32-36),
  • das Tischabendmahl am Gründonnerstag, Michaeliskirche Hildesheim (S. 37-42).

Dreierlei macht diese Ausgabe für diakonisch Interessierte interessant: Zunächst einmal die Auswahl von drei ganz unterschiedlichen Mahl-Ideen. Dann die ausführliche Darstellung dieser drei Projekte, mitsamt detaillierten Ablaufplänen. Und schließlich werden in dem ganzen Erfahrungswissen deutlich diakonische Dimensionen reflektiert. Hier nur einige Beispiele:

Zum Beispiel der Versuch, Bedürftigkeit nicht erkennbar werden zu lassen:

„Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Multiplikatoren und verkaufen Essensbons in der Nachbarschaft, in ihrer Straße. Darüber hinaus ist ein Kontingent für spontan entschlossene Menschen eigeplant. Bedürftige Menschen haben über die Diakonin im Vorfeld die Möglichkeit, einen kostenlosen Gutschein zu erhalten. So ist für Außenstehende nicht erkennbar, welcher Gast kostenlos am Mittagstisch teilnimmt. Etwa ein Drittel aller Gäste nehmen diese diakonischen Essensgutscheine in Anspruch“ (Hannover Gethsemane, S. 27).

Oder der Gedanke, dass es nicht darum geht, Arme zu nähren, sondern Würde:

„Die Vesperkirche ist keine Armenspeisung, vielmehr eine zeichenhafte Aktion für die Würde aller Menschen. Wohltätigkeit von oben herab ist nicht die Sache Jesu und wird auch der Würde des Menschen nicht wirklich gerecht“ (Vesperkirche Wasseralfingen, S. 34).

Und natürlich auch die Verbindung von liturgischer und nährender Funktion des Essens:

„Wir können davon ausgehen, dass in den frühchristlichen Gemeinden das rituelle Abendmahl selbstverständlich mit einem gemeinsamen Essen verbunden war. Das wollen wir heute erlebbar machen und damit das Abendmahl stärker hereinholen in die einfachen Vollzüge unseres Lebens, Essen und Trinken. Nach dem Teilen des Brotes werden wir wirklich essen und trinken, bevor wir den Wein teilen“ (Michaeliskirche Hildesheim, S. 41).

Es gibt viele solcher diakonischen Dimensionen in den Texten zu entdecken. Eine gelungene Zusammenstellung.

Das Heft 71 der Zeitschrift Für den Gottesdienst kann hier bestellt werden.

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