Wirkungsdimensionen

„Entscheidend ist, was hinten rauskommt“, hat mal ein deutscher Kanzler gesagt. Durchaus richtig (auch wenn ich dem Urheber dieses Zitats ansonsten wenig abgewinnen kann). Soziale Arbeit und Diakonie haben sich lange Zeit recht schwer damit getan, die Frage nach ihrer Wirkung ernsthaft zuzulassen. Nach dem zu fragen, was tatsächlich dabei herauskommt, war verpönt und rückte einen sogleich in die Schmuddelecke des Verwertbarkeits- und Funktionalitätsdenkens. Man sprach dem Prozess höhere Bedeutung zu als dem Ergebnis.

Nun ist man mittlerweile der Frage nach den Wirkungen der eigenen Maßnahmen wesentlich aufgeschlossener. Nach wie vor ist es aber eine heikle Frage, denn sie ist schwierig zu handhaben. Zum Beispiel: Wer beurteilt eigentlich die Wirkung? Und etwas deutlicher: Wer hat die Definitionsmacht, wenn sich Wirkungsurteile widersprechen? Oder: Wo sollen sich die Wirkungen überhaupt einstellen und an welchen Stellen wird nach den möglichen Wirkungen gesucht?

In der Zeitschrift SOZIALwirtschaft (5/2009, S. 6-8) habe ich einen Artikel von Bernd Halfar entdeckt, der für mich einiges Licht in das Dunkel der Wirkungssuche gebracht hat. Halfar bezieht sich auf ein Modell der International Group of Controlling und unterscheidet neben der klassischen Ergebnisgröße des output drei weiter Dimensionen, die sich auf die Wirkungen beziehen: effect, impact und outcome:

  • „Output: quantitative Leistungsmenge, die letztlich die Basis für qualitative Wirkungseffekte (Impact, Outcome, Effect) darstellt. Der Output ist das mengenmäßige Produktionsergebnis der Non-Profit-Organisation.“
  • „Effect: unmittelbare, objektiv ersichtliche und nachweisbare Wirkung (objektive Effektivität) für einzelne Stakeholder.“
  • „Impact: subjektiv erlebte Wirkung des Leistungsempfängers oder der Stakeholder (subjektive Effektivität).“
  • „Outcome: gesellschaftliche Wirkungen und Nutzen (objektive kollektive Effektivität).“ (alle Zitate S. 8).

Outputs sind die konkreten Leistungen des Anbieters, effects sind alle sich dadurch unmittelbar ergebenden Effekte, impacts sind die subjektiv erlebten Auswirkungen und der outcome ist der gesellschaftliche Nutzen.

Wer diese Begriffe mal googlet oder bingt, wird schnell merken, dass es keine einheitliche Definitionen gibt. Mal erscheint der eine Begriff als Oberbegriff der anderen, oft werden auch impact und outcome anders verwendet als es Halfar tut, usw… Wie dem auch sei, die Unterscheidung der vier Dimensionen in dieser Weise scheint mir doch sehr sinnvoll und nützlich zu sein.

Nun stellt sich natürlich die spannende Frage: wie messen? Das Repertoire ist groß: Klienten-Feedback, Expertenbefragungen, standardisierte Berichtssysteme, Katamnesen, Panel-Befragungen, Befragungen mit Kontrollgruppen usw. usw. Das alles ist nicht gerade unaufwendig. Aber die Unterscheidung der genannten Wirkungsdimensionen hat nicht erst dann einen Wert, wenn sie mit „harten Fakten“ unterlegt wird. Neben empirisch-evaluativen Untersuchungen haben auch rein konzeptionelle Überlegungen ihren Wert: Was wollen wir eigentlich mit wem auf welcher Ebene an Wirkung erzielen? Auch dafür ist die analytische Unterscheidung dieser Dimensionen hilfreich.

Dazu abschließend ein Gedanke aus dem Blog von Sean Stannard-Stockton: „I also like the phrase “It’s better to be vaguely right than precisely wrong” in this context; which means it’s better to have a proper attempt to measure the difficult, softer, intangible stuff (and be transparent about how you’ve gone about it), than ignore it altogether and be “correct”.“

Ein wirksames und wirkungsvolles Frohes Neues Jahr!

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Ein Gedanke zu „Wirkungsdimensionen“

  1. Hat dies auf mampel´s welt rebloggt und kommentierte:
    ein sehr lesenwerte Ergänzung zu meinem Beitrag „Wir evaluieren uns zu Tode“ von Martin Horstmann auf diakonisch.de – Vielen Dank für diesen Hinweis und den Link im Kommentar!

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