unverwechselbar, erkennbar, unterscheidbar

In der Diakonie wird gern die eigene Unverwechselbarkeit kundgetan. Aber sind die Dienstleistungen der organisierten Diakonie wirklich „unverwechselbar“? Verfügt die Diakonie tatsächlich über ein Alleinstellungsmerkmal?

Es gibt natürlich Alleinstellungsmerkmale bei diakonischen Diensten und Einrichtungen. In manchen Städten gibt es zum Beispiel nur eine Suchtberatungsstelle, und wenn diese dann in der Trägerschaft der Diakonie ist, ist dies eben das Alleinstellungsmerkmal dieser Einrichtung. Aber Alleinstellungsmerkmale dieser Art sind in der Regel gar nicht gemeint, wenn vom „Unverwechselbaren in der Diakonie“ gesprochen wird.

Gemeint ist natürlich die Frage nach dem „Eigentlichen“ der Diakonie, der diakonischen Identität. Doch die Betonung von Alleinstellungsmerkmalen führt meiner Beobachtung nach gerade nicht dazu, der eigenen Identität näher zu kommen. Wer nach der „Unverwechselbarkeit“ diakonischen Profils fragt, hat oft mehr Interesse an der Außendarstellung („Marketing“) als an der eigenen Substanz („Identität“).

Damit möchte ich aber nicht die Frage nach dem diakonischen Profil ad acta legen. Ich möchte nur den Ball etwas flacher halten und auf eine wichtige Unterscheidung hinweisen. Meine Idee: Das Wort „Unverwechselbarkeit“ streichen und dafür mehr mit den Begriffen „Unterscheidbarkeit“ und „Erkennbarkeit“ experimentieren.

Diakonie muss erlebbar, spürbar, erkennbar sein – eben als Diakonie. Ob sie sich damit gleich unverwechselbar macht, ist nicht wirklich relevant. Nun gibt es aber auch Situationen, in denen man „Diakonie“ nicht genau erkennen kann, aber man trotzdem merkt, dass sie sich irgendwie unterscheidet. Manchmal passt Erkennbarkeit besser, manchmal Unterscheidbarkeit. Den Begriff Unverwechselbarkeit stellen wir hingegen besser in den Floskelfolklore-Mottenschrank.

Um der Frage nach dem Erkennbaren/Unterscheidbaren besser auf die Spur kommen zu können, ist zu überlegen, in welchen Dimensionen sich Unterscheidbares oder Erkennbares finden lässt. Ich schlage folgende Suchrichtungen vor:

  • Motivation: Gibt es bestimmte Motivationen in der Diakonie? Welche sind es?
  • Haltungen/Einstellungen: Gibt es bestimmte Haltungen in der diakonischen Arbeit? Welche – und wie zeigen sie sich?
  • Sinndeutungen/Reflexion: Gibt es eine bestimmte Art und Weise der Reflexion? Gibt es bestimmte Sinndeutungen, denen man besonders zuneigt?
  • Handlungskonzepte und Methodenwahl: Gibt es Vorlieben oder Abneigungen gegenüber bestimmten Handlungskonzepten und Methoden?
  • Institution: Welche besondere institutionelle bzw. strukturelle (Rahmen-)Bedingungen sind in der Diakonie bedeutsam?
  • Atmosphäre: Kann man von einer bestimmten Atmospähre in diakonischen Einrichtungen sprechen? Worin zeigt sie sich?
  • Auftrag/Ausrichtung: Gibt es – unabhängig von den in Leistungsverträgen bzw. Gesetzesleistungen genannten Zielen – einen besonderen Auftrag bzw. eine „tieferliegende“ Ausrichtung diakonischer Arbeit? Inwiefern?

Diese Dimensionen sollen als Zugänge zum Diakonischen verstanden werden. Ich sage damit nicht, dass es in allen diesen sieben Dimensionen immer zwingend etwas erkennbar/unterscheidbar Diakonisches geben muss. Es sind lediglich Suchrichtungen, dafür sind sie aber durchaus brauchbar.

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2 Kommentare zu “unverwechselbar, erkennbar, unterscheidbar”

  1. Mir fallen zur Erkennbar- und Unterscheidbarkeit der Diakonie ein paar Fragen ein…

    – Welcher „Ton macht“ in diakonischen Einrichtungen „die Musik“?

    – Wie handeln wir besonders in Krisensituationen?

    – An welchen Stellen kommt unser Glaube in unserem diakonischen Alltag vor? Kommt er überhaupt vor? Wollen wir eigentlich deutlich erkennbar sein?

  2. Ich bin völlig d’accord – und eigentlich sprechen wir bei uns schon länger davon, dass es bei allem Bemühen um „Profilentwicklung“ – durchauch auch in Verbindung mit „Personalentwicklung“ – um die Erkennbarkeit der Diakonie geht. Vieles von dem, was als „Alleinstellungsmerkmal“ (noch so ein Unwort) beschrieben wird, sorgt eben für Erkennbarkeit; und das ist schon etwas.
    Ansonsten finde ich die 7 Suchrichtungen gut; sie umschreiben, worum es geht.

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