Gute Nachrichten für Sozialarbeiter

„Erneute Expansion der Sozialen Arbeit nach dem Ende des Wohlfahrtsstaates?“ heißt ein gerade erschienener Artikel im Nachrichtendienst des Deutschen Vereins von Konrad Maier und Christian Spatscheck.

Die These der beiden Autoren: Der Arbeitsmarkt für Sozialarbeiter ist besser als sein Ruf. Denn in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der erwerbstätigen Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagog/inn/en kontinuierlich gestiegen. Dies widerspricht deutlich dem gefühlten Sozialabbau.

„Die Berufsgruppe der Sozialarbeiter/innen hat inzwischen eine Größenordnung erreicht, die vergleichbar ist mit der der niedergelassenen Ärzt/innen aller Fachrichtungen (bei 140.000). […] Wir vermuten, dass einerseits immer neue Bedarfe entstehen, die offensichtlich bedient werden müssen, und zum anderen, dass sich sich das komplexe System der Sozialen Arbeit einem radikalen Sozialabbau mit viel Geschick und Flexibilität nachhaltig widersetzt“ (S. 431)

131.000 Erwerbstätige sind es, werden dabei die Teilzeitstellen auf Vollzeitäquivalente umgerechnet, entspricht das immer noch über 115.000. Es handelt sich dabei um eigene Berechnungen der beiden Autoren anhand zweier Quellen: der amtlichen Berufsstatistik der Arbeitsverwaltung und der Erwerbspersonenstatistik des Statistischen Bundesamtes. Detailliertes Material stellen die Autoren über den Artikel hinaus auch noch bereit.

Und woran liegt das nun? Drei mögliche Erklärungen werden angeboten:

  • Möglichkeit 1: Die Zunahme an Stellen geht zurück auf das Wirtschaftswachstum in den Jahren 2005-2008.

Das würde bedeuten: Wichtiger als die (partei-)politische Großwetterlage (Bundes- und Landesregierungen) ist die wirtschaftliche Lage. Umso wohlhabender eine Gesellschaft ist, desto mehr Sozialarbeiter leistet sie sich.

  • Möglichkeit 2: Die Zunahme an Stellen geht zurück auf die Erosion der tariflichen Bezahlung.

Das würde bedeuten, dass „die Expansion der Stellen von Beschäftigten durch deren Verdiensteinbußen mitgetragen werden“ (S. 432). Ein Pyrrhussieg.

  • Möglichkeit 3: Die Zunahme an Stellen geht zurück auf einen Wandel im Selbstverständnis der Sozialen Arbeit.

Das Stichwort ist hier natürlich: „Vom Wohlfahrtsstaat zum aktivierenden Staat“. Zunehmend werden „skills“ zum Überleben in der Marktwirtschaft benötigt, deren Entwicklung und Befähigung besonders von der Sozialarbeit geleistet wird.

Ich habe immer wieder den Eindruck, dass es in der Diakonie die Tendenz gibt, das Berufsniveau abzusenken. Der Mitarbeiter der Zukunft sollte ein bisschen mehr mitbringen als ein Sozialhelfer, aber ein studierter Sozialarbeiter braucht es nun wirklich nicht zu sein. Schließlich sieht die unternehmerisch ausgerichtete Diakonie ihr Credo zunehmend in Assistenz-Tätigkeiten. Und „richtige“ Sozialarbeiter sind eh zu teuer – das müssten nur die Sozialarbeiter endlich mal verstehen. So zumindest mein Eindruck. Die Auswertung von Maier und Spatscheck zeigt, dass es einen ordentlichen Arbeitsmarkt für Sozialarbeiter gibt. Das sind doch wohl gute Nachrichten.

Konrad Maier/Christian Spatscheck: Erneute Expansion der Sozialen Arbeit nach dem Ende des Wohlfahrtsstaates? Nachrichtendienst des Deutschen Vereins, Oktober 2010, 428-433.

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