Wirst du mich vermissen, wenn es mich nicht mehr gibt?

Die Frage nach der Unverwechselbarkeit der Diakonie geht mir immer wieder auf den Keks. Diese Frage führt zu nichts und die möglichen Antworten stellen in den seltesten Fällen einen Erkenntnisgewinn dar. Die Frage nach „dem Unverwechselbaren“ sollte ausgetauscht werden gegen eine andere Frage: „Wirst du mich vermissen, wenn es mich nicht mehr gibt?“

Was wäre zum Beispiel, wenn es diese eine bestimmte diakonische Einrichtung (die sich diese Frage stellt) nicht mehr geben würde? Würde etwas fehlen? Wenn diese Frage ehrlicher Weise mit „nein“ beantwortet werden muss, braucht man auch gar nicht weiter zu fragen – es kann dann gar nichts geben, was Unternehmensberater als „Alleinstellungsmerkmal“ bezeichnen.

Aber gehen wir mal davon aus, dass diese Frage mit „ja“ beantwortet wird. Dann ergeben sich zwei weitere Fragen: Wer würde etwas vermissen und was würde er/sie vermissen? Die Antwort hierauf wird wohl in den allerseltesten Fällen zu einem Katalog von Alleinstellungsmerkmalen führen, aber in den allermeisten Fällen zu verdammt guten Gründen, was diese Einrichtung ausmacht. Wäre das nicht ein wirklicher Erkenntnisgewinn?

Die Idee habe ich von hier via hier. Dort geht es zwar auch wieder um das unvermeintlich Unverwechselbare (das ich ja kritisch beurteile), aber die Frage finde ich wirklich gut!

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2 Kommentare zu “Wirst du mich vermissen, wenn es mich nicht mehr gibt?”

  1. Die Frage „Wirst Du mich vermissen?“ ist für mich nicht trennbar von den Fragen: Wer soll mich denn vermissen?Was braucht dieser Mensch von mir? Und: Kann er vermissen, was er nicht kennt, oder habe ich eine Bringschuld?

    Das im Krankenhausalltag leitende berufliche Ethos in Medizin und Pflege begründet keinen Unterschied. Ganz im Gegenteil, viele Beschäftigte wehren sich sogar gegen eine solche Differenz: „Wie können wir behaupten, wir seien als diakonisches Krankenhaus anders und vor allem besser als die Pflegenden und Ärzte beispielsweise in städtischen Kliniken?“. Und trotzdem taucht Diakonie in Gesprächen immer wieder auf als Aufhänger für die Frage, was „der, der uns braucht“ dort im Krankenbett neben fachlicher Exzellenz noch benötigt. Solange das Diakonische diesen Gedankenraum eröffnet und einen erweiterten Sinnhorizont bietet, bin ich mir sicher, dass sie gebraucht wird – von den Patienten wie von den Mitarbeitenden. Allein danach zu fragen, ob das Vorhandene in seiner gewachsenen und gestalteten Unvollkommenheit vermisst würde, greift daher meines Erachtens zu kurz.

    1. Hallo retekinase2,

      danke für die Anregungen! Es stimmt, diese Frage greift zu kurz, wenn mit ihr das „Diakonische“ bestimmt werden soll. Denn mit dieser Frage kann tatsächlich nur das Vorhandene in den Blick kommen. Andererseits: Die Idee bei dieser recht schlichten Frage liegt ja gerade darin, die oft sehr schräge (und verengte) Suche nach Alleinstellungsmerkmalen hinter sich zu lassen und sich dem „Grundsätzlichen“ oder „Eigentlichen“ zu widmen. Und dieses „Eigentliche“ sollte schon „vermissbar“ sein können.

      Die Frage, ob jemand etwas vermissen kann, was er nicht kennt, finde ich sehr gut! Und der Gedanke nach einer „Bringschuld“ ist hilfreich und ausbaufähig (Wer hat denn eine Bringschuld beim Thema diakonische Identität?).

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