Sinnstiftend. Gemeinschaftsfördernd. Generationenübergreifend. Das ist die begriffliche Begleitmusik bei so manchen Projekten in der Seniorenarbeit. Natürlich alles gut und richtig, aber die Umsetzung ist dann oft etwas, na sagen wir, altbacken. Im kirchlichen Bereich herrscht an vielen Stellen noch oft das Geselligkeits-und-Darbietungs-Paradgima vor: Senioren-Nachmittage sind dann Kaffe-und-Kuchen-Nachmittage (nichts gegen Kaffee und Kuchen), samt Urlaubsdias vom Pfarrer (dagegen habe ich schon eher etwas). Weil man sich mittlerweile auch aktivierende Gesundheitsförderung auf die Fahnen geschrieben hat, gibt es noch eine Runde Sitz-Tanz. Es fehlt dann noch etwas Generationenübergreifendes, also gibt die Kindergruppe noch ein kleines Ständchen zum Besten.
Ja, das sind natürlich alles Klischees, ich gebe es zu. Aber Klischees haben auch ihren wahren Kern.
Ich mag Ansätze, bei denen man sich selbst einbringt, bei den eigenen Fähigkeiten gepackt wird und auch richtig etwas leisten kann. Die meisten Menschen wollen etwas leisten. Daher ist es schade, dass diese Dimension gerade in kirchlicher/diakonischer Seniorenarbeit oft etwas stiefmütterlich behandelt wird. Lange Vorrede, hier nun das Projekt, das es mir wert erscheint, als Inspiration für diakonische/kirchliche Seniorenarbeit zu dienen: Alte Liebe. Ein Social Entrepreneurship-Projekt, bei dem Seniorinnen stylishe Mützen häkeln:
“„Alte Liebe“ Produkte werden von wunderbaren Seniorinnen mit viel Hingabe in traditioneller Handarbeit hergestellt. Die Erfahrung eines ganzen Lebens ist durch ihre Finger in das Produkt geflossen und macht es zu einem besonders hochwertigen und exklusiven Produkt; zu einem Unikat. Durch „alte liebe“ wird Häkeln zu einer sinnstiftenden Tätigkeit in der Gruppe. Mit den Erlösen werden gemeinsame Unternehmungen initiiert sowie Anschaffungen getätigt. Ein starkes Engagement und generationsübergreifende Kommunikationsfreude bereichern das Leben unserer Lieben. Das versteht „Alte Liebe“ unter Vitalität im Alter.”
Chapeau! Der Geist hinter solchen Projekten sollte zum Grundmuster diakonischen Denkens werden.
Initiiert wurde das Ganze von Elisa Steltner und Nadja Ruby, beraten von Shifting Minds (facebook-Seite), einem kleinen think tank rund um “Social Design, Social Business, Social Entrepreneurship und Systeminnovation”.
(via KarmaKonsum)